Die sehr viel größeren Mengen an Getreide, die jetzt geerntet werden, müssen natürlich auch gedroschen werden. Dafür reicht aber der bis dahin übliche Flegeldrusch nicht mehr aus. Also macht man sich Gedanken über eine "Dreschmaschine".

Das untenstehende Modell wird, wie eine Mühle, durch ein Wasserrad angetrieben. Auf der Welle sitzen rund 40 Dreschflegel, die durch die Bewegung des Rades auf den "Tennenboden" geschlagen werden. Weil die Welle in ihrer Position fest ist, muss sich die Tenne auf einer Art Rollenlager unter den Flegeln hin- und herbewegen.

Wir hatten vorher gesagt, dass vier Sensenblätter auf einem Rad noch keine Mähmaschine sind - genausowenig sind 40 Flegel auf einer Welle eine Dreschmaschine. Die Bewegungen des Dreschers sind ebenso diskontinuierlich wie die des Schnitters mit der Sense, und vor allem sind sie zielgerichtet, das kann man mit einer Maschine nicht nachahmen. Die Maschine oben soll im 18. Jahrhundert in Aerzen bei Braunschweig im Einsatz gewesen sein, hat aber wohl außer höllischem Lärm nicht viel produziert.
Andrew Meikle
(1719-1811)
Eine bessere Idee hat Ende des 18. Jahrhunderts der schottische Mühlenbauer Andrew Meikle. Er kennt die Dreschwalzen, die vor allem in Skandinavien, aber wohl auch in Schottland eingesetzt werden. Eine kegelförmige, mit Leisten beschlagene Walze wird über die ausgebreiteten Garben gerollt und hat denselben Effekt wie die Schläge des Flegels - die Körner werden aus den Ähren herausgetrieben. Also wieder eine kontinuierliche Bewegung, die sich leicht mechanisieren lässt ...
Bei Meikels Maschine ist der Tennenboden als Dreschkorb sozusagen um die Dreschwalze "herumgerollt", die auf der Trommel befestigten Leisten schlagen die Körner aus der Ähre heraus. Eine genau Einstellung des Spaltes zwischen Korb und Trommel sorgt dafür, dass die Körner nur gelöst, aber nicht zerschlagen werden. 
Mitte des 19. Jahrhundert fügen die amerikanischen Brüder Pitt die Windreinigung des Getreides hinzu - und fertig ist die Dreschmaschine, wie sie bis nach dem 2. Weltkrieg weltweit eingesetzt wird.
Sie können mit der Maus über die Maschine fahren, um die einzelnen Baugruppen und ihre Funktion zu sehen!
Um ein vernünftiges Arbeitsergebnis zu erzielen, muss sich die Dreschtrommel mit ca. 1000 Umdrehungen pro Minute drehen. Diese Leistung wird für kleinere Maschinen zunächst mit Pferdegöpeln erzeugt - die Pferde laufen an einer Stange immer im Kreis herum, ein Getriebe erzeugt die Drehzahl und gibt sie über eine Welle an die Maschine weiter.
Für größere Maschinen werden Dampfmaschinen, sog. Lokomobilen, als Antrieb verwendet. Jetzt spielt wieder der Preis eine Rolle - ein großer Dreschkasten und die Lokmobile kosten sehr viel Geld, auf jeden Fall mehr, als die meisten Bauern zur Verfügung haben. Dreschen wird Aufgabe von Lohndreschunternehmen, die einen oder mehrere Dreschsätze besitzen und damit nach der Ernte von Hof zu Hof fahren, um den Bauern das Getreide auszudreschen.
Auf großen Gütern fährt man auch schon mal mit dem Dreschsatz direkt auf das Feld und drischt dort, das geht schneller und spart Kosten für das Einfahren.
Die Damen des Hauses können dann den schwitzenden Männern bei der Arbeit zuschauen ...  Hinter der Dreschmaschine sieht man hier eine Ballenpresse, die Ballen werden dann gesondert eingefahren. Die Firma Wolf in Magdeburg war ein bedeutender Hersteller der erwähnten Lokomobilen.

Aber - auch der maschinelle Drusch macht sich nicht von allein, es sind immer noch eine Menge Leute nötig, die das Getreide aus der Scheue zureichen, die es in die Maschine einlegen, die die Säcke abnehmen usw. usw. Diese Dreschmaschine des Lohndreschers Eßmann aus Gardessen bei Braunschweig wird übrigens nicht mehr von einer Dampfmaschine, sondern von einem Elektromotor angetrieben.


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